Sehr geehrte Vertreter*innen der Presse,
es ergeht herzliche Einladung zu unserer kommenden Synnika-Eröffnung im
Frankfurter Bahnhofsviertel: "Villa Rom*nja - eine Bedarfsplanung" mit
Beiträgen von Förderverein Roma e.V., Ursula Schmidt Palmer und
social.form
Ausstellungszeit: 18.06. - 17.10.2025
Eröffnung: 18.06. 18:00
Synnika, Niddastraße 57,
60329 Frankfurt am Main
www.synnika.space
hello(a)synnika.space
+49 156 783 939 73
Pressekontakt: Jeronimo Voss
Pressemitteilung (PDF mit Bildmaterial siehe Anhang)
Villa Rom*nja handelt von den Lebensrealitäten und Wohnbedarfen von
Rom*nja in Frankfurt am Main. Viele Rom*nja leben noch immer unter
prekären Bedingungen: in zu kleinen Wohnungen, in überfüllten
Notunterkünften, viele ohne festen Wohnsitz und ohne öffentliche
Sichtbarkeit. Dieses Projekt will nicht nur Aufmerksamkeit schaffen,
sondern auch Raum für Begegnung und eine gemeinsame Entwicklung von
Perspektiven.
Seit Gründung im Juni 2019 arbeitet Synnika in unterschiedlichen
Veranstaltungen mit dem Förderverein Roma e. V. zusammen, dessen
Sozialberatung sich in unserer direkten Nachbarschaft im Erdgeschoss des
Hausprojekts NiKa befindet. Wir diskutierten gemeinsam über die
Arbeitsverhältnisse im Frankfurter Bauboom, die Geschichte der
Verfolgung von Roma in Deutschland sowie die heutige Lebens- und
Wohnsituation in Frankfurt am Main.
In Kooperation mit dem Förderverein Roma e.V., der Filmemacherin Ursula
Schmidt Pallmer und dem Architekturbüro social.form ist nun ein
Ausstellungsprojekt im Synnika entstanden, das diesen Prozess in eine
erste wohnpolitische Bedarfsplanung übersetzt. Ursula Schmidt-Pallmer
arbeitete bereits in verschiedenen Filmprojekten mit Romnja aus der
Frankfurter Community zusammen. Ihre Interviews für das Projekt Villa
Rom*nja zeigen Menschen mit unterschiedlichen Wohnbedürfnissen. Manche
haben große Familien und wünschen sich entsprechend große Wohnungen,
andere wünschen sich gestaltbare Aussenflächen für urbane Landwirtschaft
und ein Leben mit Haus- und Nutztieren, manche träumen von ganzen
Stadtvierteln mit speziellen Einkaufsmöglichkeiten, Kirche und
Gemeindezentrum. Allen geäußerten Wünschen ist gemeinsam, dass sie sich
nicht grundlegend von dem unterscheiden, was ein Großteil der Menschen
sich für ihr Leben erhoffen: eine verlässliche, gestaltbare Wohnform,
die Sicherheit, soziale Teilhabe und ein Gefühl von Zugehörigkeit
ermöglicht. Die Architekt*innen von social.form wurden beauftragt, für
die in den Interviews geäußerten Ideen eine Bildsprache zu finden, die
diese Bedarfe in eine erste Planung übersetzt. social.form nutzen dafür
bewusst die gleichen Werkzeuge, die derzeit auch für die Bauprojekte der
Mehrheitsgesellschaft Anwendung finden: Computergestützte Modelle,
Animationen, KI-generierte Grafiken von Innen- und Außenräumen –
Entwürfe, die im Synnika als Kamerafahrten neben den Interviews auch in
einem Postkartenständer zu finden sind. Wir wollen mit diesem Projekt
betonen, was auch in den Interviews deutlich wird, dass die Bedürfnisse
von Roma jederzeit mit den Mitteln, die dem (Sozialen) Wohnungsbau zur
Verfügung stehen, realisiert werden könnten. Im Laufe des Projektes
wurde schnell klar, dass es hier nicht um ein einzelnes Gebäude für eine
homogene soziale Gruppe geht, sondern vielmehr um eine Nachbarschaft
gemischter Wohnbedürfnisse. Diese sind der genannten
Mehrheitsgesellschaft nicht fremd, im Gegenteil, sie sind weitgehend
deckungsgleich mit wohnungspolitischen Anforderungen, besonders mit
Blick auf familien- und altersgerechte Wohngrundrisse und den Ausbau von
Gemeinschaftsflächen. Die Postkarten können an Menschen verschickt
werden, die möglicherweise eigene Bedürfnisse in den Bildern
wiederfinden oder einfach einen Beitrag zur Realisierung der Bauentwürfe
für Rom*nja leisten können. Für die weiteren Schritte nach dieser
Bedarfsplanung braucht es vor allem politischen Druck. Daran arbeitet
der Förderverein Roma e.V. bereits seit Jahrzehnten. Der erste Vorschlag
für ein Haus für Roma in Frankfurt wurde bereits in den 1990er Jahren
vorgebracht, seitdem hat der Förderverein das Thema immer wieder auf die
Agenda gesetzt - ursprünglich in Form einer Forderung nach einem
Kulturzentrum für die Community, danach ging es immer mehr um Wohnraum
für besonders prekär untergebrachte Menschen. Das Projekt Villa Rom*nja
ist ein solidarischer Beitrag zu diesem Prozess, der darauf abzielt, die
politischen Rahmenbedingungen auf reale Bedürfnisse auszurichten, was
die Lebensbedingungen aller Menschen grundlegend verbessern würde, auch
außerhalb der Rom*nja Community.
Kooperationspartner*innen:
Seit über 30 Jahren engagiert sich der Förderverein Roma e.V. in
Frankfurt am Main für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe
von Rom*nja und Sintizza. Kern seiner Arbeit ist die allgemeine
Sozialberatung zu Themen wie Gesundheitsversorgung, Diskriminierung,
Aufenthaltsrecht und Bildung. Der Verein betreibt die Kindertagesstätte
„Schaworalle“ und ist in der ambulanten Jugendhilfe aktiv. Zudem bietet
er Projekte zur beruflichen Qualifizierung für jugendliche und
erwachsene Rom*nja an. Darüber hinaus organisiert der Förderverein
kulturelle Veranstaltungen und setzt sich für interkulturelle
Begegnungen sowie gegen jede Form von Rassismus gegenüber Romnja und
Sintizza ein.
https://www.foerdervereinroma.de
Ursula Schmidt-Pallmer lebt und arbeitet seit 2003 als Filmemacherin in
Frankfurt am Main.
Seit ihrem Diplom in Kulturwissenschaften und ästhetischer Praxis mit
Schwerpunkt Film an der Universität Hildesheim entwickelt sie ihre
filmische Praxis kontinuierlich weiter. Dabei ist es ihr stets wichtig,
vertrauensvolle Räume zu schaffen, in denen Menschen sich öffnen können
und ermutigt werden, ihre Perspektiven selbstbewusst zu teilen.
Dokumentarisch arbeitet sie bevorzugt beobachtend und zurückhaltend, je
nach Projekt auch inszeniert und im Team. Seit 2009 vermittelt sie ihr
Wissen in Lehre und Workshops u. a. an der Frankfurt University of
Applied Sciences im Bereich Kultur und Medien. Ein feministischer und
intersektionaler Blick bildet das Fundament ihrer Arbeit.
https://www.ursulapallmer.net/index.html
social.form konzipiert und entwickelt soziokulturelle Projekte, entwirft
und plant Objekte, Räume und Gebäude, die Gemeinschaften tragen sollen,
und realisiert künstlerische Interventionen im urbanen Raum. social.form
arbeitet dabei vorwiegend in disziplinübergreifenden und diversen
Projektgemeinschaften und glaubt an Teilhabe und Kooperation, um
niedrigschwellige und offene Projekte mit einem hohen Grad an
Identifikation zu verwirklichen. social.form ist also immer dann der
oder die richtige Ansprechpartner:in, wenn es darum geht, mittels Raums
und Form Gesellschaft und Gemeinschaft zu verhandeln, zu stärken und zu
entwickeln und (trotzdem) eine ausdrucksstarke und prägnante Gestaltung
gefordert ist.
www.socialform.de
Synnika ist ein Kollektiv und ein experimenteller Raum für Praxis und
Theorie im Frankfurter Bahnhofsviertel. Synnika ist entstanden aus der
Auseinandersetzung mit den drastischen urbanen Entwicklungen der letzten
Jahre. Der Raum befindet sich im Erdgeschoss eines ehemaligen Büro- und
Geschäftsgebäudes an der Kreuzung Niddastraße und Karlstraße. Durch die
Initiative seiner Bewohner*innen wurde das Gebäude dauerhaft
kollektiviert und in das NIKA.haus umgewandelt, als ein integriertes
Projekt des überregionalen Mietshäuser Syndikats.
Auch wenn die urbanen Realitäten zunehmend für Isolation und
Vereinzelung stehen, werden sie gleichzeitig auf globaler Ebene immer
vergleichbarer und nähern sich an. Wir sind daher interessiert
Verbindungen mit Protagonist*innen aus unterschiedlichen Kontexten
herzustellen und visuelle Installationen, Workshops, Diskussionen und
andere Formate der Zusammenkunft auszurichten, die sich auf diese
gemeinsame Umwelt beziehen.
Villa Rom*nja wird gefördert vom Kulturamt Frankfurt und Fonds
Soziokultur.
Mit freundlichen Grüßen,
Jeronimo Voss
für Synnika
--
www.synnika.space
Synnika e.V.
Niddastraße 57
60329 Frankfurt am Main
Tel: +49 156 783 939 73
Email: hello(a)synnika.space
Opening times: Fridays 3-7 pm and after prior appointment.
Öffnungszeiten: Freitags 15:00-19:00 und nach Terminvereinbarung.